Vollautomatisiert gegen den „Schwarzfall“ im Klärwerk

Die Notstromversorgung der Kläranlage Nidda und der vorgelagerten Pumpwerke ist erneuert worden.

Der Strom fällt aus und die Abwasserbeseitigung funktioniert damit auch nicht mehr – keine schöne Vorstellung. Um dieses Szenario mit letzter Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger von Nidda und Schotten auszuschließen, hat der Abwasserverband Oberhessen (avoh) jetzt rund 830.000 Euro in die Hand genommen und seine Notstromversorgung grundlegend modernisiert.

Der Abwasserverband Oberhessen (avoh) betreibt die Kläranlage Nidda und stellt so sicher, dass die anfallenden Abwässer der Städte Nidda und Schotten ordnungsgemäß gereinigt werden. Dazu benötigt werden auch ein Zwischenhebewerk und ein Hochwasserpumpwerk, denn die Kläranlage selbst liegt einige Meter höher als das Stadtgebiet. Alle Bauwerke müssen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr mit elektrischer Energie versorgt werden, da ansonsten bei Regen das Stadtgebiet von Nidda überschwemmt würde.

Bisher gab es zwei Notstromgeneratoren im Betriebsgebäude der Kläranlage Nidda und ein eigenes 20 kV-Stromleitungssystem zu den beiden Pumpwerken, die bei Stromausfall die Energieversorgung gesichert hätten. Diese stammen jedoch bereits aus dem Jahr 1979, als auch die Kläranlage selbst in Betrieb ging. „Es war also an der Zeit, eine modernere Lösung zu schaffen, denn Ersatzteile für die alten Aggregate und Schaltanlagen waren immer schwieriger zu beschaffen“, berichtet Susanne Schaab, stellvertretende Verbandsvorsteherin von der Arbeit des avoh. Daher hat der Verband eine Studie in Auftrag gegeben, wie dieses System am sinnvollsten und mit einer möglichst niedrigen Ausfallwahrscheinlichkeit erneuert werden kann.

Die Studie kam zum Ergebnis, dass im Störungsfall an einem kritischen Punkt das gesamte System lahmgelegt werden könnte, weil es sich sozusagen um ein System ohne doppelten Boden handelt – das heißt, fällt das alte Notstromaggregat aus, gibt es keinen Ersatz, der für die Stromversorgung sorgen könnte. Der Elektroanlagenplaner hatte daher empfohlen, jedes Bauwerk an das Mittelspannungsnetz der OVAG anzuschließen – das Umspannwerk ist ganz in der Nähe zu den Pumpstationen – und zusätzlich auf jeder Anlage einen Notstromgenerator in Containerbauweise zu errichten.

Nach einer Ausschreibung wurde das Planungsbüro HIPLAN aus Haßloch mit der Planung der Neubauten beauftragt, außerdem die Firma Kunzler Notstromanlagen aus Maintal zur Lieferung der drei Netzersatzanlagen und die Firma Senteg aus Frankenthal für die Lieferung und Montage der 20-KV Schaltanlagen. Von Mai bis August diesen Jahres wurden diese nun geliefert und montiert – und zwar am Hochwasserpumpwerk Nidda (nähe Berufsschule), dem Zwischenhebewerk Nidda (gegenüber der Einfahrt des ehemaligen Hornitex-Geländes) und auf der Kläranlage Nidda.

Die Notstromversorgung der drei wichtigen abwassertechnischen Anlagen des Verbandes ist inzwischen fertiggestellt, wovon sich die Verbandsvorsitzenden des avoh bei ihrer jährlichen Sitzung jetzt überzeugen konnten. Das System ist vollautomatisiert und erfordert kein Eingreifen durch das Betriebspersonal bei Stromausfall, dem sogenannten „Schwarzfall“. Die Anlagen werden zentral über das Prozessleitsystem der Kläranlage Nidda überwacht. Sollte die normale Stromversorgung nun ausfallen, könnten dennoch alle Anlagen im Notstrombetrieb mindestens zwei Tage weiter unter Volllast betrieben werden. „Damit ist die Sicherheit der Abwasserversorgung aller Menschen in Nidda und Schotten auf lange Sicht gesichert“, zeigen sich Verbandsvorsteher Joachim Arnold und die Verbandsvorstandsmitglieder Oswin Veith und Susanne Schaab zufrieden.

Der Verbandsvorstand des avoh stellt die neue Notstromversorgung der Kläranlage vor: Joachim Arnold, Susanne Schaab, Oswin Veith (v.l.)

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